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Mehr Schein als Sein

Seto x Ishizu
von

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Er konnte nicht im Geringsten nachvollziehen, warum dieses Land für so viele Menschen ein absolut traumhafter Urlaubsort war.

Die Sonne schien unbarmherzig vom Himmel herab.

Die Verkäufer waren drauf und dran, jeglichen Krimskrams zu verkaufen.

Und Sand, wo das Auge nur hinsah.

„Wie gefällt es ihnen hier in Ägypten?“

Seto sah langsam zu der lächelnden Rezeptionistin auf.

„Es gibt einen Grund, warum ich mein klimatisiertes Hotelzimmer nur ungern verlasse“, erwiderte er kühl.

Seine Worte verwirrten sie sichtlich. Aber das war wirklich nicht sein Problem.
 

„Ah, Mr. Kaiba!“, mischt sich nun eine weitere Stimme ein.

Als der junge Firmenchef sich umsah, erblickte er Mr. Reza, den Geschäftspartner, auf den er hier in der Hotellobby gewartet hatte. Mit einem strahlenden Lächeln –was wenig verwunderlich war, schließlich war er dabei, mit einer der prestigevollsten Firmen ins Geschäft zu kommen- kam er auf Seto zu und reichte ihm seine Hand.

„Ich hoffe, Sie haben ihren Aufenthalt hier in Ägypten bisher genossen?“

Anscheinend legten die Leute hier viel Wert darauf, dass man ihr Land mochte. Seto verkniff sich eine weitere schnippische Antwort. Schließlich gehörte sich das nicht zwischen Businessmännern.

„Ich hatte noch keine Gelegenheit dazu“, erwiderte er stattdessen schlicht.

„Ah, natürlich – Sie sind noch nicht lange hier! Sie sollten sich unbedingt die Pyramiden ansehen, das ist ein Anblick, den Sie niemals vergessen werden!“

„Mich interessiert eher der Anblick eines Vertrages, in dem wir uns auf eine funktionierende Zusammenarbeit geeinigt haben.“

„Ah, ich habe schon gehört, dass sie stets das Geschäftliche im Hinterkopf haben“ lachte Mr. Reza, „Sie sollten sich doch erst einmal von ihrer langen Reise erholen!“

Die Entwicklung des Gesprächs gefiel dem Jüngeren nicht. Er ahnte, dass sein Geschäftspartner noch auf etwas anderes hinaus wollte. Offenbar spürte Mr. Reza, dass Seto unzufrieden war.

„Ich will ehrlich zu Ihnen sein, Mr. Kaiba“, gestand er schließlich, „Die Dokumente, die Sie uns haben zukommen lassen, sind noch in der Rechtsabteilung. Nicht, dass ich Ihnen misstrauen würde, aber Kontrolle ist bekanntlich besser als Vertrauen.“
 

Setos Mundwinkel zuckten kurz grimmig nach unten. Mit anderen Worten: er hätte ruhig noch ein, zwei Tage in Domino bleiben können. Offensichtlich war Mr. Rezas Anwaltsteam nicht sonderlich kompetent. Zumindest nicht für Setos Standards.
 

„Sie wollen mir also sagen, dass ich umsonst hergekommen bin?“

„Keineswegs!“, wurde ihm sofort versichert, „Spätestens morgen früh können wir mit den Verhandlungen beginnen und ich bin mir sicher, dass wir schnell zu einer Einigung kommen. Die Zusammenarbeit mit der KC bedeutet uns eine Menge. Mir und meiner gesamten Firma ist die Situation furchtbar unangenehm.“

„Das sollte sie auch sein. So ein Verhalten ist mehr als nur unprofessionell.“

Seto sah sein Gegenüber kühl an.

„Ich verstehe ihre Wut durchaus, aber wir haben auf Kosten der Firma ein Alternativprogramm zusammengestellt, damit Sie die schönen Seiten unseres Landes genießen können.“

Nach Setos vorherigen Worten würde die Rezeptionistin, hätte sie Mr. Rezas Aussage gehört, einiges zum Lachen gehabt haben.

Er hatte keine Lust bei der drückenden Hitze durch Sanddünen zu fahren. Allerdings wollte er noch weniger rumzicken. Das Angebot abzulehnen würde ihn als sehr undankbar dastehen lassen. Nicht unbedingt ein Ruf, den man sich in der Geschäftswelt aufbauen wollte.

Nachdem keine Widerworte gekommen waren, sah Mr. Reza das Schweigen als Zustimmung an.

„Ich bin mir sicher, dass Sie den Tag nichtsdestotrotz genießen können!“
 

Der sogenannte Urlaub wurde immer mehr zu einem Albtraum.

„Ich freue mich wirklich, ihre Begeisterung für Ägypten entfachen zu dürfen“, lächelte die junge Frau neben ihm. Als er vom Hotel in Mr. Rezas Limousine eingestiegen war, hatte sie sich vorgestellt und ihm erklärt, dass man ihr gesagt hatte, dass sie sich heute um ihn kümmern sollte.

Ihren Namen hatte er zwar gehört, aber sofort wieder vergessen.

Stattdessen starrte er grimmig das ägyptische Museum an.

Hatte er sich im Laufe seines kurzen Lebens nicht schon genug ägyptische Märchen und Sagen anhören dürfen? Wenn irgendwer da drinnen ihm gegenüber auch nur ein Wort über das Herz der Karten verlieren würde, … dann Gnade dem Gott.

„Diese Ausstellung ist weltweit renommiert“, fuhr die Frau fort, „Ich bin mir sicher, dass ihnen die Tour gefallen wird“

Sie bemühte sich einen Tick zu sehr, ihm zu gefallen. Die ganze Fahrt über hatte sie schon versucht, mit ihm in ein Gespräch zu kommen.

Frauen waren wohl überall auf der Welt gleich, wenn es um Seto Kaiba ging.
 

Anstatt auf sie zu achten, ging Seto alleine los. Wenn er sich diese dämliche Ausstellung schon antun musste, dann wollte er es nicht auch noch mit einer Nervensäge im Schlepptau machen.

„Warten Sie doch, Mr. Kaiba!“, rief die junge Frau ihm nach und holte ihn mit eiligen Schritten ein, „Sollten Sie zu irgendetwas eine Frage haben, bin ich Ihnen gerne behilflich. Ich habe mich extra genauestens informiert, um alle Unklarheiten zu beseitigen.“

Ja, Seto hatte in der Tat eine Frage. Wo war der Knopf, um diese lästige Frau abzuschalten?!

Nicht einmal meilenweit von Domino entfernt hatte er seine Ruhe.

Wenig begeistert trat er in den ersten, größeren Raum.

Eigentlich war er es gewohnt, dass er es war, der normalerweise angestarrt wurde.

Diesmal war es anders.

„Haben Sie etwas interessantes entdeckt?“, fragte Rezas Angestellte neugierig.

Ihre Augen klebten geradezu an ihm, doch sie hatte das aufblitzen in seinem Blick falsch verstanden. Es war kein Ausstellungsstück, dass Seto Aufmerksamkeit erlangt hatte.

Es war Ishizu.
 

Ishizu Ishtar, die nicht einmal die Höflichkeit besaß, ihn, Seto Kaiba, zu bemerken, und sich stattdessen lieber mit irgendwelchen unbedeutenden Besuchern des Museums unterhielt.

„Wie viele Einwohner hat Ägypten?“, fragte er ruhig.

Die Frage kam unerwartet.

„Ich… äh… weiß nicht genau. Etwa 82 Millionen?“

Seto stieß ein verachtendes Lachen aus. Was für eine Ironie, dass er dabei auf den einzigen Menschen stieß, den er nicht sehen wollte.

Damit nicht genug. Die Leute, mit denen Ishizu sich unterhalten hatten, waren weitergegangen. Somit hatte sie nichts davon ablenken können, zu bemerken, dass er sie unverschämt anstarrte.

Sie war überrascht, ihn hier zu sehen, doch die Überraschung wich einem gezwungen höflichen Lächeln.

Sofort kam es wieder in ihm hoch. Die unerklärliche Wut und die Enttäuschung, die er verspürt hatte, als er herausgefunden hatte, dass Ishizu damals wieder zurück nach Ägypten gegangen war, ohne ihm auch nur ein Wort zu sagen.

Gut, sie waren keine Freunde. Sie hatten zwei komplett unterschiedliche Weltbilder. Und es war auch nicht so, als ob er ihr je den Eindruck vermittelt hätte, dass ihre Anwesenheit ihm auch nur das Geringste bedeutete. Hatte sie im Grunde ja auch nicht.

Dieser Irrglauben war Seto erst durch ihre Abwesenheit bewusst geworden.
 

„Wer hätte gedacht, dass ich hier auf dich treffe, Seto Kaiba“, sagte sie, als sie zu ihnen hinüberkam.

Aus der Nähe bemerkte der Firmenchef, dass ein Schild an ihrer weißen Bluse angebracht war. Es war also anzunehmen, dass sie in dem Museum arbeitete.

„Ach? Hat deine Kette dir diesmal keine Vorwarnung mitgeteilt?“, fragte Seto mit einem spöttische Unterton.

Manche Frauen ließen seine Beleidigungen über sich ergehen und lachten, als ob er gerade einen Witz erzählt hätte, in der Hoffnung, dass sie auf seine gute Seite kamen. Ishizu zählte nicht dazu.

Ihr Lächeln verblasst nicht, aber ihre Augen verrieten, dass sie ihm viel Spaß bei seiner Fahrt in die Hölle wünschte.

Eine ungewohnte Reaktion, doch eine willkommene Abwechslung von den ganzen Schmeicheleien.
 

„Sie kennen sich?“, meldete sich nun Rezas Angestellte wieder zu Wort, „Ähm, Mr. Kaiba, Frau Ishizu ist die Museumsleiterin und Organisatorin dieser Ausstellung.“

„Wieso wundert mich das nicht? Hier gibt es bestimmt genügend Leute, die sich deine ägyptischen Märchen gerne anhören.“

„Manche verstehen die Bedeutung der Vergangenheit eben schon nach einem Museumsbesuch. Andere wiederum organisieren riesige Turniere, und versuchen vergeblich ihre größten Rivalen zu besiegen, anstatt sich mit ihrem Schicksal abzufinden.“

Ishizu sprach ruhig, doch die Freundlichkeit hatte ihr Gesicht verlassen. Seto war bewusst, dass sie es überhaupt nicht ausstehen konnte, wenn man sich über ihre Arbeit lustig machte. Ein Punkt, den er ohne Schwierigkeiten nachvollziehen konnte.

„Mr. Kaiba, Sie müssen sich so etwas nicht anhören, ich-“

„Ich will mich alleine mit Frau Ishtar unterhalten“, unterbrach Seto Rezas Angestellte.

Die junge Frau sah ihn verwirrt an. Sie hatte wohl gedacht, dass er das Gespräch als beendet angesehen hatte und von Ishizu wegwollte.

Tja, wie sehr man sich doch irren konnte.

Wiederwillig ließ sie ihn schließlich mit Ishizu alleine.
 

„Wenn du nur hier bist, um dich über mich und meine Arbeit lustig zu machen, dann kannst du gerne wieder gehen. Und nimm deine kleine Verehrerin da drüben gleich mit.“

„Glaub mir, ich bin nicht freiwillig hier. Wenn es nach mir ginge würde ich schon mit einem unterzeichneten Vertrag in meinem Jet Richtung Domino sitzen“, erwiderte Seto, und verschränkte seine Arme, „Und wenn du die schon für lästig hältst, müsstest du erst einmal meinen Fanclub zu Hause sehen.“

„Danke, ich hab selber schon genug am Hals“, sagte sie trocken.

Das überraschte ihn wenig. Es war kein Wunder, dass eine Menge Männer an ihr interessiert waren. Ishizu fiel unbestritten in das Schema, das man als hübsch bezeichnete. Wem machte er was vor, man konnte sie guten Gewissens als Schönheit einstufen.

Seto verfluchte sich innerlich für den Gedanken. Nein, er hatte mit dieser Frau abgeschlossen!

„Dabei wäre es so einfach, in Ruhe gelassen zu werden"

Moment Mal. Das klang verdächtig nach seiner eigenen Stimme.

Wieso in aller Welt wiederholte er Mokubas Aussage?!

Als Firmenchef war er es gewohnt, seinen Angestellten öfters klar zu machen, dass sie aufhören sollten, Schwachsinn von sich zu geben und stattdessen eher ihr Hirn einschalten sollten. In diesem Moment wünschte er sich, er hätte auf seinen eigenen Rat, den er sonst immer befolgte, gehört.

Ishizu sah ihn stirnrunzelnd an. Es war derselbe skeptische Blick, den er selbst noch vor kurzem seinem kleinen Bruder zugeworfen hatte. Sie zeigte keinerlei Verwirrung, sondern wartete offensichtlich auf eine Erklärung seinerseits.

Eine Antwort, die Seto nicht parat hatte.

Das Schweigen zwischen ihnen wurde von Sekunde zu Sekunde unangenehmer.

Aber Seto wollte nicht auf den Vorschlag seines kleinen Bruders zurückgreifen.

Das würde sich wie ein furchtbar schlechter Flirtversuch anhören.

Genau das war der Grund, warum er Ishizus Anwesenheit nicht mochte. Er konnte einfach keinen klaren Gedanken fassen. Leute machten ihm tagtäglich Geschäftsangebote, Liebeserklärungen Morddrohungen - normalerweise fiel ihm immer eine passende Antwort ein.

Gott, warum sahen ihre Augen ihn nur so durchdringend an?!

Er musste etwas sagen – irgendwas!
 

„Eine Scheinbeziehung.“



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Kommentare zu diesem Kapitel (5)

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Von:  Yuugii
2012-07-14T10:01:52+00:00 14.07.2012 12:01
Hallöchen! ^.^)/

Dass du uns im zweiten Kapitel gleich so weit in die Geschichte hinein treibst, hätte ich nicht erwartet. Aber ein Geschäftstreffen in Ägypten finde ich durchaus passend, immerhin hat er als Firmenleiter einiger Verantwortung nachzukommen. Schade, dass Mokuba nicht mitgekommen zu sein scheint. Im Gegenteil zu Seto hätte dieser sicherlich viel Spaß an den Sehenswürdigkeiten. Wenn Seto nicht so stur und ernst wäre, würde er auch sehen, dass das Leben viel mehr zu bieten hat als Arbeit. Aber vielleicht schafft dieser Aufenthalt und das Treffen mit Isis etwas völlig Unerwartetes? Es war ja schon ziemlich krass, dass er von sich aus eine 'Scheinbeziehung' vorschlägt. Aber wenn er das schon sagt, muss er es ja verdammt ernst meinen.

Übrigens finde ich es klasse, wie du Isis und Seto miteinander interagieren lässt. Man merkt eben, dass sie beide sehr erwachsen sind und sich von ihrem Gegenüber nichts gefallen lassen. Isis hat sehr besonnen und selbstbewusst geantwortet, blieb dabei sogar sehr ruhig. Das zeigt ja nur, dass sie in allen Lebenslagen gut zurecht kommt und sehr gut zurecht kommt. Ich denke, dass Seto eine starke, selbstbewusste und unabhängige Frau braucht, die ihm auch die Stirn bieten kann und sich nichts gefallen lässt. Da hätte Isis sicher eine gute Chance. Hier spürt man ja, dass sie sich nicht von ihm unterwerfen lässt. Seto braucht eine Frau, die ihn auf Trab hält! :D

Ich bin mal gespannt wie Isis auf seinen Vorschlag reagieren wird...

Liebe Grüße Yuugii
Von:  Quadrat-Latschen
2012-07-14T00:11:25+00:00 14.07.2012 02:11
hi^^
also deine ff ist wirklich klasse! *_*
ich find die idee echt gut und bin mal gespannt wies zwischen ishizu und ihm hergeht XDD mir gefällt, wie du seto darstellst, so stell ich ihn mir auch vor^^
ob ishizu nun wirklich begeistert ist von seiner idee??? XDD
wer würde bei sowas schon nein sagen, hehe XDD
freu mich schon aufs nächste kapitel und hoffe du schreibst bald weiter^^

viele grüße
psycholache

Von:  Parsaroth
2012-07-13T14:15:36+00:00 13.07.2012 16:15
Na, okay, er ist doch nicht so sehr mit der Tür ins Haus gefallen, da ich ihn gerade versehentlich angekreidet habe, gleich 'ne ScheinEHE fabrizieren zu wollen, aber 'ne Scheinbeziehung so aus dem Nichts ist ja auch nicht Nichts, wa? :D (~sorry, Kaiba)
Von:  Parsaroth
2012-07-13T14:12:00+00:00 13.07.2012 16:12
Scheinehe, ahja.

- Egal, wie reich Kaiba auch sein mag, Samthandschuhe befinden sich offensichtlich nicht in seinem Besitz. Ich wüsste jetzt persönlich nicht, wie ich auf sowas reagieren wollen würde, aber glücklicherweise hat Ishizu ja Lebenserfahrung und meistens die Ruhe weg.

Wie sagt meine Oma immer so schön? "Na denn man tau!",
ich freu mich aufs nächste Kapitel. =)

Liebe Grüße,

Parsaroth.
Von: abgemeldet
2012-07-12T10:30:21+00:00 12.07.2012 12:30
Hallo DemokraTea

Deine Art Seto zu Beschreiben ist wirklich köstlich. So stelle ich mir ihn wirklich vor, wenn er mal Ruhe von dem ganzen Zeugs hat und trotzdem wieder damit konfrontiert wird. Auch Ishizu ist dir gut gelungen. Wie sie sich nicht von ihm provozieren lässt und ihm doch auf ihre Art Konter gibt^^
Eigentlich regt sich Kaiba öfters an ihr auf, das für mich bedeutet, dass sie ihm gewachsen ist. Ich meine jemand der mich nicht intressiert, über den denke ich nicht nach^^
Bei der kleinen Angestellten bin ich jetzt noch unsicher, ob sie ihm jetzt wirklich nur das Land überaus informativ zeigen wollte oder auch in die Schublade der Fangirlies passt.... Hmmm, schwer zu sagen^^

Ich freue mich auf das nächste Kapitel^^
Ich glaube, du machst noch einen Ishizu/Kaiba Fan aus mir^^

Liebe Grüsse
Maulwuerfchen


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