kyoosha - learning by doing von ivy-company (AoixKanon) ================================================================================ Kapitel 30: Wie man eben doch auszieht -------------------------------------- Kapitel 30 Wie man eben doch auszieht „Was Wichtiges?“, wurde ihm jetzt vom Wohnzimmer aus zugerufen und die Stimme des Gitarristen klang bei Weitem nicht so beiläufig, wie es dieser wohl gerne gehabt hätte. Kanon konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, doch da er auf das Display schaute, vermutete Aoi sicher er freue sich über die Nachricht. Er fixierte das kleine Ding in seinen Händen noch ein paar Sekunden und tat so als würde er etwas eintippen, um Aoi das Gefühl zu geben die SMS wäre ihm wichtiger als er. Was natürlich Unsinn war. Ihm war ja eigentlich total egal gewesen, wer ihm da schrieb. Ganz nebensächlich schaute er jetzt von seinem Handy auf und zu dem Gitarristen rüber, der schon ziemlich unruhig wirkte. „Geht nur um ne Verabredung morgen“, antwortete er knapp und wartete auf eine Reaktion. Tatsächlich glaubte er zu sehen, wie Aois Gesichtszüge langsam entgleisten und dieser schwer schluckte. Wurde er sogar ein bisschen blasser? Kanon entschloss sich dazu, dass er sich den Älteren mal von Nahem anschauen musste und stand von dem Bett auf, um wieder zum Sofa zu schlendern. „Bin mir aber noch nicht sicher, ob ich hingeh“, meinte er schulterzuckend und ließ sich wieder neben Aoi nieder. Der Ältere hatte noch mehr an Gesichtsfarbe verloren als Kanon gedacht hatte. „Ich… Ich wusste nicht, dass du…“, stotterte der Gitarrist, bevor er einmal tief ausatmete und sich wieder zu sammeln schien. „Mit wem ist denn diese Verabredung?“ Es war für Kanon schwer sein Hochgefühl zu unterdrücken. Das wirkte auf ihn doch sehr eindeutig! Da konnte er jetzt ja auch mit der Quälerei aufhören. „Mit meiner Band. Hab ich das nicht grade gesagt?“ Zum zweiten Mal entgleisten Aois Gesichtszüge, bevor er ein leicht empörtes „Nein!“ von sich gab. „Oh… Ach so“, meinte Kanon unschuldig und konnte ein Lachen nicht unterdrucken. „Na was dachtest du denn!?“ Der andere zuckte nur leicht mit den Schultern und wandte sich dann ein bisschen beleidigt dem Fernseher zu, auf dem noch immer das Standbild zu sehen war. Der Jüngere war sich nicht ganz sicher, ob er es ein bisschen zu weit getrieben hatte, als er aber Aois leise gemurmeltes „Jag mir doch nicht so nen Schrecken ein…“ hörte und eindeutig Erleichterung auf dessen Gesicht sah, legte er das Handy auf den Wohnzimmertisch und machte es sich wieder auf der Couch gemütlich. Er hatte sich gerade wieder in die Decke gekuschelt und die Beine angezogen und wollte Aoi fragen, ob sie weitergucken wollten, als sich dieser schlagartig zu ihm umwandte. „Morgen??“ Es dauerte einen Augenblick, bis Kanon verstand, was genau damit gemeint war, bevor er nickte. „Aber… in drei Tagen haben wir Probe! Und wenn du morgen Abend nicht da bist, dann…“ Gegen Ende war der Gitarrist immer leiser geworden, aber er wusste, worauf dieser hinauswollte. Daran hatte er ja selbst auch schon gedacht. Sie hatten nicht mehr viel Zeit miteinander. In Kanon machte sich ein warmes Gefühl breit, als ihm bewusst wurde, dass auch Aoi die Zeit wohl als viel zu knapp befand. „Wieso? Hast du morgen Abend was vor?“ Erst in diesem Moment kam ihm etwas in den Sinn. Es wäre zwar schöner, die verbliebene Zeit mit dem Älteren alleine zu verbringen, aber… „Nein, ich dachte nur…“ „Wenns dir nicht zu anstrengend ist, kannst du morgen auch mitkommen. Wenn du willst. Und dich mit meiner Band rumschlagen willst.“ Kanon sah, wie Aoi die Augenbrauen hob. Es hatte sein Interesse geweckt! Das war doch schon mal ein gutes Zeichen. „Shou und Saga kommen auch, also machts ihnen sicher nichts aus, wenn du auch dabei bist. Was meinst du dazu?“ Sie hatten ja sowieso vor Kurzem abgemacht, mal alle zusammen wegzugehen. Die Gelegenheit also. Der Ältere überlegte einen Moment und lachte dann leise. Ein noch besseres Zeichen! „Wenn Shou und Takuya dabei sind, dann kann ich dich doch nicht mit den beiden alleine lassen!“ „Du kommst also mit?“ „Wenn du mich mitnimmst?“ Kanon strahlte übers ganze Gesicht und griff dann sofort nach seinem Handy, um Miku eine Antwort zu schicken. Währenddessen ließ er sich Aois Aussage noch mal durch den Kopf gehen und kam für einen Moment beim Tippen ins Straucheln. Aoi wusste davon. Dass Takuya und Shou zu Klatschtanten mutiert waren. Seine Kettentheorie war also richtig. Aber konnte er jetzt im Umkehrschluss wirklich davon ausgehen, dass Reitas Anspielungen der Wirklichkeit entsprachen, weil dieser ein Teil der Kette war und seine Informationen direkt von Aoi bekam? „Ist irgendetwas?“ „Ähm.. nein“, beantwortete Kanon die Frage des Älteren schnell. Zu schnell, wenn er Aois skeptischen Seitenblick betrachtete. Wieso musste Aoi ihn auch so genau beobachten? Und wieso dachte er denn an so etwas, wenn er doch ganz genau wusste, dass er dann immer rot im Gesicht wurde?! „Glaubst du Reita will auch mitkommen?“, fragte er den Gitarristen, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Scheinbar mit Erfolg, denn Aoi machte ein nachdenkliches Gesicht, ehe er rief: „Rei! Hast du Bock morgen Abend mit Kanon, mir und Kanons Band wegzugehen?“ „Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte“, grummelte der Blonde, während er ein Haufen Klamotten aus seinem Zimmer ins Bad trug. Anscheinend wollte er die gesamte Kleidung mit nach Europa nehmen und musste sie davor noch waschen. „Auch gut. Kann er mich schon nicht in Verlegenheit bringen“, meinte Aoi grinsend und bekam darauf nur ein giftiges „Das hab ich genau gehört!“ aus dem Bad als Antwort. Kanon erwiderte Aois Grinsen trotzdem und schrieb dann die SMS fertig. Das würde sicher ein interessanter Abend werden. „Dürft ihr eigentlich so viele Klamotten mitnehmen wie Reita ins Bad schleppt?“, fragte Kanon dann, obwohl er sich die Antwort schon denken konnte. „Nein.“ Genau womit er gerechnet hatte. „Und wann willst du ihm das sagen?“ „Ach… vielleicht morgen.“ Kanon schüttelte bei Aois Antwort den Kopf, doch er konnte sich ein Lächeln einfach nicht verkneifen. Er hatte eben zu gerne Geheimnisse mit dem Gitarristen. Die Folge ihres kleinen Geheimnisses war, dass Reita im Laufe des nächsten Tages die gesamte Schmutzwäsche der Wohngemeinschaft gewaschen hatte, bevor Aoi endlich mit der Wahrheit herausrückte. Zwar verschwand Reita daraufhin wütend in seinem Zimmer, doch wenigstens war der angestaute Wäscheberg mal wieder beseitigt. „Er drückt sich eh immer vorm Waschen“, kommentierte der Gitarrist Kanons doch etwas schuldbewussten Blick, während er den Wäschekorb mit seiner und Kanon sauberer Wäsche nahm – natürlich hatte Reita nur seine Sachen rausgefischt und die anderen zerknüllt liegenlassen. „Ich glaub, ich sollte auch mal ein bisschen packen, aber du kannst mir gerne Gesellschaft leisten und mich gleich beraten, was ich später anziehen soll.“ Fröhlich nickte Kanon. Er fühlte sich zu dem Tag vor fast zwei Wochen zurückversetzt, an dem sie zusammen Klamotten kaufen gewesen waren, nur dass es jetzt andersrum war. Zeigte das nicht auch irgendwie einen Fortschritt? Eine Entwicklung? Jetzt war schließlich er derjenige, der mitbestimmen durfte, was Aoi anziehen sollte. Und dieser Gedanke machte ihn irgendwie glücklich. Sie hatten ihre Wäsche auf Kanons Bett geworfen und waren gerade dabei, diese zu sortieren und zusammenzulegen, als Aoi ein Oberteil hochhob und es genau betrachtete. „Hm… Was meinst du dazu?“ Der Ältere sah ihn an und hielt das Shirt in seine Richtung. Es hatte einen dunklen Leopardenaufdruck, der Kanon unwillkürlich eine Augenbraue heben ließ. Er stand nicht wirklich auf solche Muster, aber er hatte schon bemerkt, dass Aoi nichts gegen sie hatte, deshalb hatte er nie was gesagt. „Okay okay.“ Der andere musste ihn gerade ziemlich genau beobachtet haben, denn er lachte und faltete das Teil schnell zusammen, um es im untersten Fach seines Schranks zu verstauen. „Also manchmal unterscheidet sich unser Geschmack dann schon ziemlich.“ Dass man so viel sagen konnte, nur indem man unwillkürlich eine Augenbraue hob, brachte auch Kanon zum Lachen. Das blieb ihm dann aber im Halse stecken, als er plötzlich bemerkte, wie sich Aoi sein Shirt über den Kopf zog und jetzt mit nacktem Oberkörper neben ihm stand. Was zur…? Wieso… ? Der Bassist starrte ihn an. Viel zu offensichtlich. Ließ seinen Blick über die freigelegte Haut wandern. Sie war so makellos. Lud förmlich dazu ein sie zu berühren. In seinem Bauch begann es urplötzlich zu kribbeln. Dass sein Mund offen stand, bemerkte er gar nicht. Wie auch, wenn da derjenige, in den er verliebt war, halbnackt vor ihm stand! Man sollte meinen, Kanon hätte auf diesen Moment vorbereitet sein müssen, denn seit sie auf dem Dach gewesen waren und seit er sich eingestanden hatte, dass er verliebt war, hatte er immer wieder den Gedanken zurückdrängen müssen, wie es wäre, wenn sich Aoi vor ihm umziehen würde. Vor ihm ausziehen würde. Und jetzt tat er es einfach? Einfach so? Nein, er war darauf nicht vorbereitet gewesen. Aber was hätte alle mentale Vorbereitung schon gebracht, wenn dann sein Körper verrückt spielte? Seine Kehle wurde ganz trocken und sein Herz schien ihm aus der Brust springen zu wollen. Er brauchte all seine Beherrschung, um nicht einfach die Hand auszustrecken und über diesen wohlgeformten Körper zu streichen. „Alles in Ordnung?“, wurde Kanon vom Älteren gefragt. Die Frage musste ja kommen, wenn er ihn so lange anstarrte! „Ähm… ja! Ich überlege mir nur, was wir dir jetzt anziehen könnten“, antwortete er schnell und wär seine Stimme dabei nicht so zittrig gewesen, hätte Aoi es ihm vielleicht sogar abgekauft. Stattdessen lächelte der Ältere ihn nur spitzbübisch an. „Und ich hab schon gehofft, du würdest mich aus einem anderen Grund anstarren.“ Sofort drehte sich Kanon von dem Gitarristen weg. Sein Gesicht brannte wie Feuer. Ohne weiter zu überlegen riss er Aois Kleiderschrank auf. Fahrig durchstöberte er die Hemden an den Bügeln, wobei er sich nicht einmal sicher war, ob er momentan blau von rot unterscheiden konnte. Ob sich Aois Haut wohl genau so sanft anfühlte, wie sie aussah? „Ziemlich große Auswahl“, lachte er nervös. Wie sollte er auch etwas finden? Kein Kleidungsstück der Welt konnte diesen Anblick übertreffen! „Ich kann ja mehrere Sachen anprobieren. Wir haben ja Zeit“, erklang es jetzt ganz nah an Kanons Ohr. Er hielt kurz in der Bewegung inne. Aoi stand jetzt unmittelbar hinter ihm. Er konnte seinen Atem spüren. Seinen Duft wahrnehmen. Seine Körperwärme fühlen. Wie würde diese betörende Wärme wohl sein, wenn sie sich wirklich berühren würden? Wenn kein lästiger Stoff seinen Körper bedecken würde und Aoi ihm noch ein bisschen näher war? Hautkontakt. „Wie wär’s mit dem hier?“ Kanon hatte ein Oberteil aus dem Schrank gezogen. Irgendeins. Eigentlich hatte er nur mal wieder etwas sagen wollen, um die gefährlichen Gedanken abzuwenden. „Hmm... ich weiß nicht. Ich glaub, das ist eher dein Stil“, meinte Aoi wieder nah an Kanons Ohr. „Vielleicht solltest du’s mal anprobieren.“ Die Stimme des Älteren klang nicht mehr herausfordernd oder neckend. Sie war weich. Angenehm. Leise. Und so nah. Kanon war kurz davor, sich einfach mit dem Rücken an die Brust hinter sich zu lehnen. Die Augen zu schließen. Aoi zu küssen. Sein Herz schlug so unglaublich stark und er führte einen hoffnungslosen Kampf mit sich selbst. Es fühlte sich an als würden seine Lungen nicht genügend Sauerstoff bekommen und gleichzeitig kämpfte er dagegen an zu schnell zu atmen. Zu auffällig zu atmen. Er musste sich nur umdrehen. Aoi war nur Zentimeter von ihm entfernt. Es benötigte nur ein Bruchteil einer Sekunde, bis er seine Hand auf den nackten Oberkörper legen und darüber streichen könnte. Bis seine Lippen auf Aois liegen würden. Nur ein Bruchteil einer Sekunde! „Das ist mir zu groß“, brachte Kanon aber stattdessen nur zittrig heraus und zog kaum hörbar die Luft ein, als der andere um ihn herumgriff und ihm das Oberteil aus der Hand nahm. Sanft berührte er dabei den Arm des Bassisten, der nicht verhindern konnte, dass sich eine leichte Gänsehaut darauf ausbreitete. Verdammt, sein ganzer Körper verriet ihn! Sein ganzes Verhalten. Einfach alles. Aoi müsste ganz schön dämlich sein, das nicht zu bemerken. Es besserte sich auch nicht, als ihn dieser sanft an den Schultern zu sich umdrehte. Kanon versuchte seinem Blick auszuweichen und auf den Boden zu sehen, aber stattdessen blieb er an dem nackten Oberkörper vor sich hängen. Es war wie eine Sucht. Er konnte einfach nicht wegsehen. Und er konnte sich auch nicht dagegen wehren, als Aoi das Oberteil einfach fallen ließ und nach dem Saum seines Shirts griff, um es langsam nach oben zu ziehen. Er konnte einfach nichts dagegen tun. Mit klopfendem Herzen hob er die Arme. Ohne ihm auch nur ein Wort des Widerspruchs entgegenzubringen. Er ließ einfach zu, dass Aoi mit zarten Berührungen seine Haut streifte. Ihn auszog. _____ Jaa, es gibt eben nicht nur eine Art von "ausziehen" ;) Und am Ende noch ein Dankeschön an HikariNoMizuki, klene-Nachtelfe und Pappteller für die lieben kommis ^___^ Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)